Stand: Mai 2026 · Redaktion 101 Classics
GRIEG – Klavierkonzert a-Moll op. 16:
Die besten Aufnahmen im Vergleich
Edvard Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16 gehört zu den populärsten Werken der romantischen Konzertliteratur. Kaum ein anderes Klavierkonzert verbindet nordische Klangfarben, große lyrische Bögen und virtuose Brillanz so unmittelbar. Schon der berühmte Paukenwirbel und der eruptive Klaviereinsatz des Beginns zählen zu den bekanntesten Eröffnungen der gesamten Konzertliteratur.
Das Werk entstand 1868 während eines Aufenthalts im dänischen Søllerød und zeigt deutlich Griegs Nähe zu Schumann – besonders zu dessen Klavierkonzert. Dennoch besitzt Griegs Konzert eine vollkommen eigene Tonsprache: volksliedhafte Melodik, nordische Wehmut, rhythmische Frische und eine außergewöhnlich natürliche Verbindung zwischen Solist und Orchester.
Gerade deshalb unterscheiden sich die großen Aufnahmen erheblich: Manche Pianisten betonen die poetische Seite, andere die virtuose Kraft oder den sinfonischen Charakter. Die folgende Bestenliste stellt zehn herausragende Interpretationen vor – von historischen Referenzen bis zu modernen audiophilen Einspielungen.
Top 10 Aufnahmen – Grieg Klavierkonzert
Leon Fleisher – George Szell – Cleveland Orchestra
Für viele Kenner ist diese Aufnahme die vollkommenste Verbindung aus pianistischer Noblesse, orchestraler Disziplin und romantischer Ausdruckskraft. Leon Fleisher spielt mit außerordentlicher Klarheit und technischer Souveränität, während George Szell das Cleveland Orchestra mit elektrischer Präzision führt.
Besonders beeindruckend ist die strukturelle Geschlossenheit: Keine sentimentale Überzeichnung, kein oberflächlicher Virtuosen-Effekt – stattdessen ein großer musikalischer Bogen mit natürlichem Fluss und perfekter Balance zwischen Solist und Orchester.
Auch klanglich bleibt die Aufnahme außergewöhnlich: transparent, dynamisch und bis heute erstaunlich modern. Das Finale besitzt enorme Energie, ohne jemals grob zu wirken.
➜ Fleisher / Szell anhörenClifford Curzon – Øivin Fjeldstad – London Symphony Orchestra
Poetisch, nordisch und außerordentlich elegant. Curzon verbindet lyrische Feinheit mit aristokratischer Zurückhaltung. Eine der musikalisch kultiviertesten Interpretationen des Konzerts.
➜ Curzon / Fjeldstad anhörenArthur Rubinstein – Alfred Wallenstein – RCA Victor Orchestra
Rubinstein spielt Grieg mit großer Wärme, Natürlichkeit und sanglicher Eleganz. Weniger dramatisch als Fleisher, dafür von zeitloser Noblesse.
➜ Rubinstein / Wallenstein anhörenLeif Ove Andsnes – Mariss Jansons – Berliner Philharmoniker
Moderne Referenz mit nordischer Transparenz und hervorragender Klangtechnik. Sehr ausgewogen und audiophil.
➜ Andsnes / Jansons anhörenStephen Kovacevich - BBC Symphony Orchestra - Colin Davis
Großer romantischer Ton, enorme Klangfülle und majestätische Steigerungen. Kovacevichs Artikulation im ersten Satz ist exemplarisch.
➜ Kovacevich / Davis anhörenJulius Katchen – István Kertész – Israel Philharmonic Orchestra
Virtuos, impulsiv und hochdramatisch. Katchen bringt große Energie und orchestrale Wucht in das Werk.
➜ Katchen / Kertész anhörenHoward Shelley – Orchestra of Opera North
Eine Interpretation, die Virtuosität und Poesie auf ideale Weise miteinander verbindet.
➜ Howard Shelley anhörenDinu Lipatti – Herbert von Karajan – Philharmonia Orchestra
Legendäre historische Interpretation voller Poesie und Reinheit. Lipattis Anschlag besitzt eine fast schwerelose Schönheit.
➜ Lipatti / Karajan anhörenStephen Hough – Andrew Litton – Bergen Philharmonic Orchestra
Klanglich spektakulär und interpretatorisch äußerst intelligent. Eine moderne Spitzenaufnahme mit großer Transparenz.
➜ Hough / Litton anhörenSviatoslav Richter – Orchestre de l'Opéra de Monte-Carlo - Lovro von Matacic
Richter verleiht dem Konzert enorme pianistische Wucht und dramatische Tiefe. Eine kompromisslose große Interpretation.
➜ Richter / Matacic anhörenFazit
Wer die ausgewogenste Gesamtinterpretation sucht, findet in Fleisher / Szell die wohl überzeugendste Referenzaufnahme. Für poetische Eleganz empfiehlt sich Curzon / Fjeldstad, während Argerich und Katchen die virtuose Seite des Konzerts besonders eindrucksvoll zeigen. Klanglich modern und audiophil überzeugen vor allem Andsnes / Jansons und Stephen Hough.