Eine der edelsten Mono-Aufnahmen von Bruckners Siebter: Eduard van Beinum dirigiert das Concertgebouw Orchestra in einer lyrischen, transparenten und organisch aufgebauten Interpretation von großer innerer Ruhe. Klanglich überraschend offen und ausgewogen für das frühe Mono-Zeitalter – ein Klassiker der Bruckner-Diskographie.
Musik-Album im MP3-Format
Gesamtlänge: 58:46 min
Audioformat: MP3 – High Quality
Die Uraufführung 1884 in Leipzig war für Bruckner eine Premiere: Zum ersten Mal flüchteten die Zuhörer bei einer Bruckner-Uraufführung nicht aus dem Saal. Überglücklich vermeldete der Komponist, daß "zum Schluß eine Viertelstunde applaudiert wurde" - ein später Erfolg im 60. Lebensjahr von Anton Bruckner. Die Siebente beginnt ruhig mit einer wunderschönen Melodie-Linie der Streicher, zu dem später Horn und Klarinette hinzustoßen. In der für Bruckner typischen Weise werden allmählich Tempo und Intensität gesteigert bis zu einem ersten Höhepunkt mit Einsatz des gesamten Orchesters. Während der Komposition des zweiten Satzes verstarb der von Bruckner hoch verehrte Richard Wagner. Dieses verarbeitete Bruckner dann auch in seinem zweiten Satz: Eine Trauermelodie unter Verwendung der von Wagner erfundenen tiefen Blechblasinstrumenten, der sogenannten Tuben. Der dritte Satz beginnt mit einem kecken Part der Solotrompete, die den ersten Steigerungslauf ankündigt. Im Schlusssatz taucht als Hauptthema wieder die wunderschöne Melodie des Sinfonieanfangs auf, ist nun aber wesentlich energischer gestaltet und steigert sich zu einem letzten Höhepunkt.
Van Beinum nähert sich Bruckners E-Dur-Sinfonie nicht als monumentalem Klangdom, sondern als atmendem Organismus. Seine Lesart ist von großer innerer Ruhe, organischer Phrasierung und einer natürlichen Spannungsentwicklung geprägt. Die Musik wächst aus sich selbst heraus, ohne Pathos oder äußerliche Effekte. Besonders im ersten Satz entfaltet sich das berühmte Hauptthema in weitem Atem, getragen von einem warmen, geschmeidigen Streicherklang. Das Adagio – Herzstück der Sinfonie und Gedenkgesang für Richard Wagner – gerät unter van Beinum zu einer innigen, leuchtenden Meditation. Die Wagner-Tuben fügen sich edel in das Gesamtbild ein, ohne je schwer oder pathetisch zu wirken. Der Höhepunkt wird nicht als dramatischer Ausbruch, sondern als geistiger Kulminationspunkt gestaltet – von großer Würde und innerer Ergriffenheit. Das Concertgebouw Orchestra zeigt sich in bestechender Form: schlanke, gesangliche Streicher, charaktervolle Holzbläser und ein rundes, kultiviertes Blech prägen das Klangbild. Die legendäre Akustik des Amsterdamer Concertgebouw verleiht selbst der Monoaufnahme bemerkenswerte Transparenz und räumliche Tiefe.
Diese Einspielung dokumentiert eine Bruckner-Tradition jenseits übersteigerter Monumentalität – klassisch, klar und von stiller Größe. Sie bleibt ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegszeit und ein Meilenstein in der Diskographie der Siebten.
Technische Daten
Vielleicht gefällt Ihnen auch