Eine ausgewogene, modern orientierte Lesart, die Brahms’ Nähe zur Klassik betont. Luftiges Klangbild mit klarer Tiefenstaffelung, geschmeidigem Streicherklang und präziser Bläserabbildung. Die Aufnahme wirkt ruhig und offen, baut große Spannungsbögen ohne Schärfe auf und liefert im Finale kraftvolle, sauber konturierte Dynamik. Ideal für Hörer, die natürliche Räumlichkeit statt vordergründiger Effekte schätzen.
Musik-Album im MP3-Format
Gesamtlänge: 42:07 min
Audioformat: MP3 – High Quality (320 kbit/s)
Bildnachweis: wolfgang rieger/Shotshop.com
Die 1. Sinfonie wurde 1876 in Karlsruhe uraufgeführt und überwiegend enthusiastisch aufgenommen. Der Weg bis zu diesem Erfolg war allerdings schmerzvoll, denn Brahms arbeitet fast 20 Jahre an diesem Werk. Die Gründe dafür sind sicherlich sowohl im eigenen überaus selbstkritischen Anspruch des Komponisten zu suchen als auch in der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit, galt Brahms doch als der Erbe Beethovens. So eifert Brahms vor allem in den schicksalsschweren und drängenden Paukenschlägen zu Beginn des ersten Satzes und im stürmischen Schlußsatz seinem großen Vorbild nach. Die beiden mittleren Sätze hingegen sind sanft und melodiös und damit "Kinder" der romantischen Epoche. So stellt Brahms' Sinfonie eine gelungene Weiterentwicklung der Sinfonik seit Beethoven dar.
Antal Dorati nähert sich Brahms mit einem ausgeprägten Sinn für Struktur. Die Tempi sind zügig, aber nie gehetzt, der Zugriff entschlossen, aber nicht dramatisch überzeichnet. Besonders beeindruckend ist seine Fähigkeit, Brahms’ oft dichten Orchestersatz transparent zu halten – man hört Linien, die in anderen Aufnahmen leicht verloren gehen. Diese Klarheit führt zu einer sehr durchhörbaren, fast kammermusikalischen Brahms-Deutung. Das London Symphony Orchestra spielt mit Präzision und Geschmeidigkeit. Die Streicher glänzen durch warmen, aber kontrollierten Ton, während die Bläser – besonders die Hörner im Finalsatz – heroische Akzente setzen, ohne zu dominieren. Dorati lässt die Musiker atmen, bleibt aber jederzeit Herr des Geschehens.
Diese Aufnahme ist kein romantisches Klangbad, sondern eine balancierte, modern orientierte Lesart, die Brahms’ Nähe zur Klassik betont. Die erste Sinfonie wird hier nicht als „Beethovens Zehnte“ zelebriert, sondern als eigenständiges Meisterwerk zwischen dramatischer Wucht und analytischer Klarheit.
Diese Aufnahme besticht durch eine großzügige, tief gestaffelte Klangbühne und außergewöhnlich natürliche Orchesterfarben. Die Aufnahmetechnik fängt die Streicher warm und seidig, die Holzbläser plastisch im Raum und das Blech kraftvoll, aber niemals hart ein. Die Dynamik reicht von feinsten Pianissimi bis zu druckvollen Tutti-Passagen, ohne hörbare Kompression. Besonders im Finalsatz überzeugt die Aufnahme mit beeindruckender Raumtiefe und stabiler Ortung der Instrumentengruppen.
Technische Daten